"Die Nadel im Heuhaufen"

In diesem kleinen, aber feinen Blog möchte ich ab und an Anektoten aus meiner Arbeit mit Tieren und Menschen mit Euch teilen. Viel Spass beim Lesen...

5. Mai 2019

Ein Kind braucht Ermutigung wie eine Pflanze das Wasser.

„Ermutigungen sind grundsätzlich jedes Wort, jede Handlung und jedes Signal der Aufmerksamkeit und Zuwendung, die das Kind in seinen sozialen Grundbedürfnissen ansprechen. Nämlich dazuzugehören, wichtig und kompetent zu sein und sich geborgen fühlen zu können“.
Wird der Mensch immer auf Fehler aufmerksam gemacht, fördert dies eine selbstkritische Haltung, die ihren Fokus immer auf die Dinge richtet, die noch nicht so gut sind und verbessert werden müssen. Dabei sollte genau das Gegenteil gefördert werden. Um bereits bei den Kindern ein gutes Selbstwertgefühl entwickeln zu können, ist es wichtig, den Blick auf positive Eigenschaften und Stärken zu lenken. Schwächen werden nicht ignoriert, jedoch anders bewertet. Denn wenn diese als einen Teil akzeptiert werden, die zu jedem von uns gehören, verlieren sie ihre negative und entmutigende Kraft. (Quelle: Elternhandbuch Kess Erziehen. www.kess-erziehen.de)

 

 

Beispielsätze aus meiner Arbeit:
„Toll, dass du so engagiert mitmachst.“
„Ich mag, wie rücksichtsvoll du mit dem Huhn umgehst.“
„Ich sehe, wie viel Spass dir das macht“.
„Die Aufgabe ist bei dir in guten Händen. Deswegen habe ich sie dir gerne anvertraut.“
„Deine Hilfe schätze ich sehr.“
„Ich freue mich sehr darauf, mit Euch die heutige Stunde zu gestalten.“
„Schau mal, wie gut das bereits geht.“
„Es fällt dir immer leichter, die Hufe selbständig auszukratzen.“

28. April 2019

Die Macht der Worte

Für eine Arbeit, die ich mal für eine Weiterbildung schreiben musste, war ich auf einen tollen Artikel von Birgit Widmann-Rebay (Betriebswirtschafterin, die sich seit vielen Jahren mit den Themen Beziehung, Kommunikation und Ressourcen beschäftigt) gestossen. Frau Widmann beschäftigt sich darin mit der Wirkung des Wörtchens „nicht“.

 

Wie rasch und oft verwendet man im Umgang mit Kindern das „Nicht“. „Renn nicht bei den Tieren!“, „Sei nicht so laut im Stall!“, „Geh nicht zu nah an die Hörner“... Alles natürlich mit guter Absicht, das Kind und/oder Tier zu schützen. Im alltäglichen Sprachgebrauch verwenden wir das Wort oft, um auszudrücken, was wir nicht möchten und was nicht passieren soll. Wir fokussieren uns auf das zu Vermeidende anstatt positiv zu formulieren, was wir wollen.

 

Der Grund dafür, dass wir das Wort „nicht“ vermeiden sollten, hat mit unserem Hirn zu tun. Unser Hirn übersetzt Worte, die wir hören in Bilder und Emotionen. Das Wörtchen „nicht“ kann es dabei nicht „verwandeln“. Ein kleiner Test aus dem Artikel von Frau Widmann: Lesen Sie den fett gedruckten Satz, schliessen Sie für einen Moment die Augen und versuchen Sie, der Bitte nachzukommen. Bitte denken Sie nicht an eine lila Giraffe. Na, was sehen Sie vor dem inneren Auge?

 

Erklärt wird dieses Phänomen so, dass die Aufmerksamkeit unseres Gehirns auf die lila Giraffe gelenkt wird, um dieses Bild dann gedanklich wieder verschwinden zu lassen. Es ist unmöglich, an etwas nicht zu denken, was vorher ausgesprochen wurde.

 

Die Aufmerksamkeit der Kinder ist somit von vornherein auf das Nützliche zu lenken: „Bitte lauf langsam bei den Tieren.“, „Sprich bitte ruhig im Stall.“, „Bei den Hörnern kann es gefährlich sein, bitte halte mit deinem Körper Abstand.“...

 

11. April 2019

Premiere: Selma bekommt Zwillinge  

Heute Morgen um 2 Uhr weckte mich mein Sohn. Als er kurz darauf wieder einschlief, ging ich noch kurz zur Toilette. Irgend ein Gefühl bewegte mich dazu, das Fenster kurz zu öffnen und zu hören, ob in den Stallgebäuden alles ruhig ist... Da hörte ich eine Kuh immer und immer wieder rufen. Da Selma demnächst kalben sollte und sie eine Kuh ist, die rund um die Geburt sehr aufgeregt und gestresst ist, wusste ich sofort, dass sie ihr Kalb bekommen hat. Also ging ich gleich nachschauen und tatsächlich lief Selma bereits mit dem Kälbchen bei Fuss herum. Selma hat die Angewohnheit, in ihrer Aufregung ihre Kälber oft und meist grob mit den Horn zu stossen und schubsen. Deshalb trennen wir sie jeweils so rasch wie möglich von ihrem Kalb. Dies taten wir dann auch. Das kleine Kuhkalb kam in den Kälberstall und trank auch sofort die erste "Biestmilch" (Kolostrum) von Selma aus der Flasche. Selma war derweilen zwar immer noch aufgeregt und suchte natürlich ihr Kalb, sie frass aber schon bald und konnte auch mit den nötigen Vitamin- und Mineralstoffen für nach der Geburt versorgt werden.

 

Beruhigt gingen wir nochmal ins Bett und später unseren Arbeiten nach. So waren wir dann erst wieder nach dem Mittag im Stall. Selma lag im Stroh und erhob sich erst, als sie hörte, dass die Futtermischung verteilt wird. Ich ging kurz in den Laufstall um zu sehen, ob bei ihr alles okey ist und ob sie die Nachgeburt bereits verloren hat. Da sehe ich neben ihrem Liegeplatz nochmal ein kleines Kälbchen liegen. Völlig perplex kümmerten wir uns sofort um das zweite Kuhkälbchen, welches auf dem kalten Betonboden lag und schlotterte. Wir brachten es sofort zu seinem Zwilling. Die Kleine fror und wirkte gesund aber schwach. So verpackte ich sie in einer Wolldecke mit zwei warmen Bettflaschen. Etwa eine Stunde später stand auch das zweite Kalb und schlürfte seine erste Milch. Seit wir den Hof übernommen haben ist es das erste Mal, dass eine Kuh Zwillinge bekommen hat. Wir sind froh, dass Selma die zwei so problemlos selber zur Welt brachte und es den zwei Kälbchen sowie Selma soweit gut geht und sie sich mit der Situation langsam zurecht zu finden scheinen.


2. April 2019

Auf 10 zählen... oder Zeit zum Denken geben.

Eine liebe Mitarbeiterin von mir meinte gestern in einem Gespräch, dass wir den Kindern oftmals mehr Zeit zum Nachdenken oder Antworten geben sollten. Und ich verstand, was sie meinte... Wir stellen Fragen, geben unserem Gegenüber aber oft kaum Zeit zum Nachdenken und Antworten, reden weiter oder fordern erneut eine Antwort.

 

Ich nehme mir ihren Tipp zu Herzen. Das nächste Mal zähle ich erstmal innerlich auf 10, wenn ich eine Frage stelle...